Erstmalig Minuszinsen für Bankeinlagen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf 0,15 % gesenkt und erstmals in ihrer Geschichte den Einlagensatz, zu dem Banken ihr Geld bei der Notenbank „parken“ können, auf –0,1 % gesenkt. Die Banken müssen also draufzahlen, wenn sie künftig überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Damit zeigt die EZB erneut, dass sie weiterhin bereit ist, unkonventionelle Wege zu gehen. Das Instrument der negativen Zinsen wird sehr selten angewandt. Die Schweizer Notenbank hatte zeitweise negative Zinsen auf Guthaben von Ausländern erhoben, um spekulative Kapitalzuflüsse abzuwehren. Auch Dänemark wandte dieses Instrument einst an, um eine Aufwertung der dänischen Krone zu verhindern. Grundsätzlich sind negative Zinsen problematisch, denn der Zins ist eine Prämie der Zukunft gegenüber der Gegenwart. Ist diese Prämie negativ, bedeutet es gleichzeitig: der Zukunft wird kein hoher Wert beigemessen. Warum senkt die EZB die Zinsen so stark? Sie will die Deflation bekämpfen und die Inflation anheben. Durch die niedrigen Zinsen sollen die Banken animiert werden, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben, der Euro soll sich abwerten, was die Exporte aus den EU Ländern nach USA und Asien verbilligt und der innereuropäische Geldmarkt soll belebt werden. Gegenüber dem „Quantitative-Easing-Program“, also dem groß angelegten Kauf von Staatsanleihen, hat die Zinssenkung den Vorteil, dass sie jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann. Wir sehen keine gravierenden Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Es wird für Anleger immer schwieriger, vernünftige Renditen zu erzielen. Aus unserer Sicht führt am Aktienmarkt kein Weg vorbei. Deshalb sind wir aktuell in unserer Vermögensverwaltung bezüglich der Aktienquote übergewichtet. Geschrieben von: Johannes Magar